Wanderung durch das Wittekinds- oder Wiehengebirge 1876
Bergkirchen bis Porta
von
Hermann Hartmann
Einführung
Schuster bleib bei Deinem Leisten! Nicht immer ist dieser Ratschlag weise. Hätte der Sanitätsrat Hermann Hartmann ihn beherzigt, wüssten wir heute nichts über seine Wanderung auf dem Wiehengebirge und damit auch nichts über seine die Zeiten durcheilenden Belehrungen zur Porta Westfalica, die er in einem umwerfenden Wechsel zwischen sachlicher und emotional gesteigerter Tonalität vorträgt. Nur das Kaiser-Denkmal fehlte ihm noch. Und gäbe es nicht heute die Recherche-Plattform google-books zu fast verschollener historischer Literatur, so wäre Teamkollege Robert Kauffeld auch nicht auf diese Trouvaille gestoßen. Zwar: Wer Genaueres über die Entstehungsgeschichte der Porta erfahren will, schaue besser in der reichhaltigen wissenschaftlichen Literatur nach, etwa bei „Die Landschaft an der Porta Westfalica“ von Franz-Dieter Miotke. Es geht bei Hartmann auch schon ziemlich deutsch zu, als die Völkerwanderung überhaupt noch nicht Fahrt aufgenommen hatte. Nicht im Sinne der nachhaltigen Aussöhnung mit dem „Erbfeind“ Frankreich ist es zudem, wie er auf die „Neufranken“ oder „Überrheinischen“ eindrischt, von Varus über Pippin den Kurzen bis zu Napoleon III. Spiegelbildlich dazu werden die rechtsrheinischen Rache-Engel überschwänglich gerühmt. Unter diesen Helden sind Arminius und Wittekind samt dessen adelsgeschlechtlichen Nachfahren erwartungsgemäß prominent vertreten. Geradezu atemberaubend ist aber Hartmanns etymologische Akrobatik, mit der er aus Ortsbezeichnungen, die in den römischen Annalen zu finden sind, für das werdende Deutschland vermeintlich zentrale Ereignisse wie die Schlacht bei Idistaviso an die Porta holt – was zumindest annähernd ja durchaus richtig sein kann. Und wer ist danach nicht alles, wie Hartmann hervorhebt, als König oder Kaiser, sei es in kriegerischer oder friedlicher Absicht, durch sie hindurch gezogen. Karl der Große „brauste“ gleich ein paar Mal durch sie nach Minden. Auch Plätze aus dem germanischen Sagenkreis werden in identätsfördernder Absicht bei uns verortet. Doch sehen wir es Hartmann nach. Er war damit nicht allein. Man schrieb das Jahr 1876, als seine „Wanderungen“ erschienen. Auch die Franzosen hatten seit 1866 auf „Rache für Sadowa“ (Königgrätz) gesonnen. Wilhelm I. war erst fünf Jahre Kaiser. Das im Reich vereinte Deutschland warf sich mächtig in die Brust. Aber wir, das Homepage-Team, glauben, dass heutzutage niemand mehr in Hartmanns Erzählweise etwas Verführerisches findet. Vielmehr wird man an manchen Stellen unweigerlich schmunzeln oder gar lachen. Und der Bericht enthält ja auch viele Fakten zur Porta, die man nicht oder so nicht kannte. Alles in allem ist er durchaus ein historiographischer Lesegenuss. Viel Vergnügen also! (Hinweise zu den Bildern siehe unten)
(Einführung und Bildbeschriftungen von Fritz W. Franzmeyer. Die Bilder wurden aus fremden Quellen eingefügt)
Zu S. 165 f.: Jean de Beaurain, Aufmarsch- und Rückzugsdarstellung (Ausschnitt; Wikimedia) der Schlacht bei Minden von 1759. Blau steht für die französischen Truppen. Rechts unten der Ortsname „Berghausen“ (Barkhausen). Links daneben die Buchstaben C und G. Nach der Kartenlegende rüsteten sich die Franzosen bei C zum Kampf und zogen sich bei G geschlagen zurück.
Zu S. 167-169: Wittekindsquelle und Margarethenkapelle auf einer alten Postkarte.
Zu S. 174: Der Töniesberg hatte seinen Namen nach der St.-Antonius-Kapelle, die an der Stelle der jetzigen Porta-Kanzel stand. Von ihr ist keine detaillierte Darstellung überliefert. Andeutungsweise zu sehen ist sie aber auf der ersten Darstellung Mindens und seiner Umgebung, des „Ritterbruchs“, aus dem Jahre 1539. In dem hier gezeigten Ausschnitt ist sie ganz oben links andeutungsweise zu sehen. Die Zeichnung wurde dem Einband zu Johann Karl von Schroeders „Minden und das Mindener Land in alten Ansichten“ (Minden 1971) entnommen.
Zu S. 176: Eisenhütte – die spätere „Friedrichshütte“ – mit der 1867 eröffneten und 1945 gesprengten Kettenbrücke.
Zu S. 177: Aussichtsturm auf dem Wittekindsberg. Die Postkarte zeigt allerdings den Turm, wie er sich erst ab Pfingsten 1906, also 30 Jahre nach Hartmanns „Wanderungen“, präsentierte. Da wurde der früher nach dem Mindener Landvermesser Vorländer benannte Bau in „Moltketurm“ umbenannt, weil der Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke 1852 auf ihm ausgeruht hatte. Zugleich wurde er baulich ertüchtigt. Der auf der Karte zu sehende Eintritts- und Souvenir-Kiosk ist also ein Nachfolger von Hartmanns „Bretterbude“.
Zu S. 179 f: Kupferstich von Matthäus Merian, um 1640.
Zu S. 181 f.: Zufahrt zum heutigen Gut Wedigenstein.
Zu S. 181 f.: Ehemaliger Schafstall auf dem Gut Wedigenstein. Dahinter das ebenfalls zum Gut gehörige, im normannischen Stil erbaute „Tudor“-Haus. Heute liegen alle diese Nebengebäude brach.
Zu S. 182 f.: „Wittekind-Stein“ von 1829 auf Gut Wedigenstein.
































