Hotel Kaiserhof

Letzte Meldung

‘Kaiserhof-Projekt auf der Kippe’, so berichtet das Mindener Tageblatt am 26.01.2023. Nach dem Insolvenzantrag des Wohn- und Pflegeheimbetreibers Convivo stehe hinter dem 30-Millionen-Euro-Projekt ein großes Fragezeichen. Wie der Kaiserhof-Eigentümer Jörg Albersmeier mitgeteilt habe, müsse man in den nächsten Tagen erst einmal sortieren, welche Auswirkungen das habe.
Mit einer Insolvenz habe er nicht gerechnet, gleichwohl an einem Plan B gearbeitet. So gebe es Gespräche mit anderen Partnern, insbesondere bezüglich des Hotelbetriebs.
„Elf Jahre nach dem Brand des historischen Kaiserhofs ist somit die Chance groß, dass das denkmalgeschützte Gebäude komplett aufgebaut und auch wieder als Hotel und Restaurant genutzt wird“, so berichtete noch am 14.12.2022 das MT. War es wieder mal nur eine Hoffnung?

Die Geschichte

Fritz W. Franzmeyer
Robert Kauffeld

Hotel „Der Kaiserhof“

Vom Lustspiel zum Trauerspiel

Es war eine große Freude für die Barkhauser Bürger, als in den 1890er-Jahren noch vor der Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals mit dem Kaiserhof ein prunkvolles Hotel fertiggestellt wurde, das mit einem großen Saal, einem Laubengang für beliebte Außenveranstaltungen und einem schönen Garten ein Kleinod geschaffen worden war, das nicht nur von kultureller Bedeutung, sondern auch ein eindrucksvoller Blickfang für ankommende Besucher sein würde. Man war stolz darauf.

Wie konnte es dazu kommen, dass rund ein halbes Jahrhundert später eine Entwicklung zu beobachten war, die – das ist die Überzeugung vieler Bürger – dem ganzen Ensemble Kaiserhof, dem einstigen Kleinod, nur geschadet hat und zu Unverständnis, oftmals Wut und schließlich Resignation führte?

Viele Jahre lang war der Kaiserhof für Besucher – darunter auch zahlreiche berühmte Persönlichkeiten – „die erste Adresse“.

Es war ein Haus, das besondere Leistungen bot. Und weit über Barkhausen hinaus war der Kaiserhof wegen besonderer kultureller Veranstaltungen von Bedeutung.

Der Zweite Weltkrieg änderte vieles. Eine schlimme Zeit begann, als im großen Saal ein KZ-Lager untergebracht wurde (darüber wird an anderer Stelle ausführlich berichtet).
Selbst diese Zeit haben Hotel, Saal, Laubengang und Garten ohne große Schäden überstanden.
Dann kam die Besatzungsmacht. Und auch diese Zeit ging 1949 endlich vorüber, ohne besondere Schäden hinterlassen zu haben. Nach der Freigabe lief der Hotelbetrieb wieder an, und auch kulturelle Veranstaltungen erfreuten die Besucher. Der Saal wurde zu einer Reithalle umgebaut.

Große Probleme standen bevor, denn das Hotel entsprach nicht mehr modernen Ansprüchen. Die Eigentümerfamilie Knoblich/Behnke/Vonalt hat auch das gemeistert und mit großen Investitionen wesentliche Verbesserungen vorgenommen. 
Als sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert hatte, musste allerdings im Mai 2011 Insolvenz angemeldet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle Bereiche des Kaiserhofs in einem ordentlichen Zustand.

2011 Das Gebäude hat einen schweren Brandschaden erlitten, kann aber restauriert werden. 

Doch die Dachgauben, über die später noch gestritten werden sollte, waren, wie das Foto zeigt, weitgehend unversehrt und konnten gerettet werden. Sie wurden zuletzt gesehen bei einem Entsorgungsunternehmen in Porta Westfalica.

Insgesamt bot das Gebäude einen traurigen Anblick nach dem Brand. Erinnerungen an die Meldung ‘der Kaiserhof brennt’  lassen mich heute noch Angehörige mit Tränen in ihren Augen sehen. 

Lediglich der Laubengang zeigte sich nach dem Brand in unversehrtem Zustand. Zuletzt fanden Besucher der großen Veranstaltung zur 850-Jahr-Feier von Barkhausen im Jahre 2009 schattige Plätze, wie sie schon die ersten Gäste am Ende des 19. Jahrhunderts vorgefunden hatten.  

2013 – 2015 Erneuerung des Dachstuhls und der Eindeckung

2022 Die Stimmung zahlreicher Barkhauser Bürger schwankt zwischen Enttäuschung, Wut und Resignation. Eine Stimme brachte es bei einer Besichtigung so zum Ausdruck: „Wenn jemand wegen seiner außerordentlich bedeutenden, nachhaltigen Leistungen zum Ehrenbürger ernannte wurde, so wüsste ich, wen ich vorschlagen würde, wenn es um den größtmöglichen Schaden geht, für den jemand verantwortlich ist.“

Der Anblick 11 Jahre nach dem Brand: 
Eine ‘Entwicklung’ ohne Fortschritt? Nicht ganz, denn Fällaktion, Bewuchs und Verfall sind fortgeschritten!

Wie doch die Zeit vergeht

Gegen Ende 1983 war der Kaiserhof unter Denkmalschutz gestellt worden. Als das Hotel 2011 insolvent geworden und das Haupthaus Ende jenes Jahres ausgebrannt war, klagte der Insolvenzverwalter auf Aufhebung des Denkmalschutzes, um freie Hand für den Wiederaufbau zu schaffen. Die Klage wurde 2015 abgewiesen. Allerdings wurde der Denkmalschutz dabei auf die Fassade und den Laubengang beschränkt. Er schloss aber die zur Fassade gehörenden Dachgauben ausdrücklich ein. Die waren inzwischen auf der Grundlage von Teilabriss- und Umbaugenehmigungen demontiert und eingelagert worden. Bei der vorläufigen Neueindeckung wurden sie (noch) nicht wieder eingebaut. Sie lagerten zuerst neben dem Kaiserhof, dann auf dem Gelände eines Entsorgungsunternehmens und nunmehr an unbekanntem Ort – wenn sie denn überhaupt noch existieren. Der vom Insolvenzverwalter beauftragte Architekt ist heute (Mit)Eigentümer. Seit Jahren streiten sich nun die Eigentümer, der Denkmalschutz und die Stadt Porta Westfalica darüber, wie es weitergehen soll. Zwar liegt ein Konzept für eine gemischte Nutzung vor, doch scheint es alles andere als leicht zu sein, die so unterschiedlichen Belange wie Rentabilitätsansprüche, bedarfsgerechtes Bauen und Stadtbildpflege unter einen Hut zu bringen. Doch wenn alles schon so langsam geht, sollte doch wohl wenigstens dafür Sorge getragen werden, dass der “Zahn der Zeit” nicht inzwischen seine unerbittliche Zerstörungskraft so lange entfalten kann, bis es nichts mehr denkmalgerecht zu schützen gibt.

MT-Bericht vom 26.10.2022

Trauerspiel bald beendet? Danach sieht es nicht aus. In letzter Zeit ist von Denkmalschutz nicht mehr die Rede. Eigentümerseitig wurde zwar verlautbart, die Gauben würden wieder eingebaut, aber aus funktionalen Gründen nicht in der ursprünglichen Form, geschweige denn als Originale. Außerdem soll vom denkmalgeschützten Laubengang nur der Mitteltrakt erhalten bleiben. Ist die Stadt – auch sie ist an Gerichtsurteile gebunden – hier nicht viel zu nachgiebig?
Es wirkt wie ein Ablenkungsmanöver, wenn der Diskurs sich nun dem Praktischem zuwendet. Wie viele Parkplätze braucht das künftige Seniorenheim? Dazu gibt es bürokratische Richtlinien mit strengen Vorgaben. Doch entsprechen die der Lebenswirklichkeit? Darf man die benachbarten öffentlichen Parkplätze bei der Bedarfsermittlung nicht berücksichtigen? Selbst dann nicht, wenn die Besucher hier fürs Parken angemessen bezahlen müssten? Das sollten ihnen ihre lieben Verwandten oder Bekannten im Seniorenheim doch wohl wert sein. Abgesehen davon soll es noch einen Bus geben, der direkt vor der Haustür hält. Aber wo kämen wir hin, wenn der “Nasenfaktor” entschiede! So lief jüngst die Debatte im städtischen Planungsausschuss (MT vom 26.10.2022). Hat man sich in der Frage des Denkmalschutzes auch so leidenschaftlich gestritten? Kann man nicht eine verbindliche Zusage fordern, wann endlich das äußere Bild des Kaiserhofes entsprechend der Gerichtsentscheidungen vollzogen wird?

An dieser Stelle wird die weitere Entwicklung dargestellt:

MT-Bericht vom 14.12.2022

„Renovierung der Ruine“ so kündet das Mindener Tageblatt am 14.12.2002 an, dass der Rat der Stadt Porta Westfalica den Bebauungsplan „Kaiserhof“ beschlossen und damit die planerische Grundlage für das geplante Millionenprojekt
beschlossen hat – elf Jahre nach dem Brand!
Das Gebäude soll komplett wieder aufgebaut und als Hotel und Restaurant genutzt werden, so der Plan. Zum Konzept gehört auch der Neubau von 48 Mietwohnungen für Senioren im rückwärtigen Teil des 10.000 qm großen Areals. Wie berichtet wird, müssen noch fehlende 17 Parkplätze geschaffen werden, damit die geforderte Zahl von 110 erreicht wird.
Wie aus einem vom Architekturbüro Albersmeier erstellen Plan ersichtlich ist, soll das Dach des Kaiserhofs wieder wie früher Gauben tragen, und vom Laubengang soll das mittlere Stück erhalten bleiben. Um der KZ-Häftlinge zu gedenken, hat Albersmeier vorgeschlagen, eine entsprechende Stele auf dem Gartengelände zu erstellen.
Laut MT-Bericht: „Albersmeier strebt an, im Sommer 2023 mit dem Neu- und Umbau zu beginnen“.