Hotel Kaiserhof

Fritz W. Franzmeyer
Robert Kauffeld

Hotel „Der Kaiserhof“

Vom Lustspiel zum Trauerspiel

Es war eine große Freude für die Barkhauser Bürger, als in den 1890er-Jahren noch vor der Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals mit dem Kaiserhof ein prunkvolles Hotel fertiggestellt wurde, das mit einem großen Saal, einem Laubengang für beliebte Außenveranstaltungen und einem schönen Garten ein Kleinod geschaffen worden war, das nicht nur von kultureller Bedeutung, sondern auch ein eindrucksvoller Blickfang für ankommende Besucher sein würde. Man war stolz darauf.

Wie konnte es dazu kommen, dass rund ein halbes Jahrhundert später eine Entwicklung zu beobachten war, die – das ist die Überzeugung vieler Bürger – dem ganzen Ensemble Kaiserhof, dem einstigen Kleinod, nur geschadet hat und zu Unverständnis, oftmals Wut und schließlich Resignation führte?

Viele Jahre lang war der Kaiserhof für Besucher – darunter auch zahlreiche berühmte Persönlichkeiten – „die erste Adresse“.

Es war ein Haus, das besondere Leistungen bot. Und weit über Barkhausen hinaus war der Kaiserhof wegen besonderer kultureller Veranstaltungen von Bedeutung.

Der Zweite Weltkrieg änderte vieles. Eine schlimme Zeit begann, als im großen Saal ein KZ-Lager untergebracht wurde (darüber wird an anderer Stelle ausführlich berichtet).
Selbst diese Zeit haben Hotel, Saal, Laubengang und Garten ohne große Schäden überstanden.
Dann kam die Besatzungsmacht. Und auch diese Zeit ging 1949 endlich vorüber, ohne besondere Schäden hinterlassen zu haben. Nach der Freigabe lief der Hotelbetrieb wieder an, und auch kulturelle Veranstaltungen erfreuten die Besucher. Der Saal wurde zu einer Reithalle umgebaut.

Große Probleme standen bevor, denn das Hotel entsprach nicht mehr modernen Ansprüchen. Die Eigentümerfamilie Knoblich/Behnke/Vonalt hat auch das gemeistert und mit großen Investitionen wesentliche Verbesserungen vorgenommen. 
Als sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert hatte, musste allerdings im Mai 2011 Insolvenz angemeldet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle Bereiche des Kaiserhofs in einem ordentlichen Zustand.

2011 Das Gebäude hat einen schweren Brandschaden erlitten, kann aber restauriert werden. 

Doch die Dachgauben, über die später noch gestritten werden sollte, waren, wie das Foto zeigt, weitgehend unversehrt und konnten gerettet werden. Sie wurden zuletzt gesehen bei einem Entsorgungsunternehmen in Porta Westfalica.

Insgesamt bot das Gebäude einen traurigen Anblick nach dem Brand. Erinnerungen an die Meldung ‘der Kaiserhof brennt’  lassen mich heute noch Angehörige mit Tränen in ihren Augen sehen. 

Lediglich der Laubengang zeigte sich nach dem Brand in unversehrtem Zustand. Zuletzt fanden Besucher der großen Veranstaltung zur 850-Jahr-Feier von Barkhausen im Jahre 2009 schattige Plätze, wie sie schon die ersten Gäste am Ende des 19. Jahrhunderts vorgefunden hatten.  

2013 – 2015 Erneuerung des Dachstuhls und der Eindeckung

2022 Die Stimmung zahlreicher Barkhauser Bürger schwankt zwischen Enttäuschung, Wut und Resignation. Eine Stimme brachte es bei einer Besichtigung so zum Ausdruck: „Wenn jemand wegen seiner außerordentlich bedeutenden, nachhaltigen Leistungen zum Ehrenbürger ernannte wurde, so wüsste ich, wen ich vorschlagen würde, wenn es um den größtmöglichen Schaden geht, für den jemand verantwortlich ist.“

Der Anblick 11 Jahre nach dem Brand: 
Eine ‘Entwicklung’ ohne Fortschritt? Nicht ganz, denn Fällaktion, Bewuchs und Verfall sind fortgeschritten!

Wie doch die Zeit vergeht

Gegen Ende 1983 war der Kaiserhof unter Denkmalschutz gestellt worden. Als das Hotel 2011 insolvent geworden und das Haupthaus Ende jenes Jahres ausgebrannt war, klagte der Insolvenzverwalter auf Aufhebung des Denkmalschutzes, um freie Hand für den Wiederaufbau zu schaffen. Die Klage wurde 2015 abgewiesen. Allerdings wurde der Denkmalschutz dabei auf die Fassade und den Laubengang beschränkt. Er schloss aber die zur Fassade gehörenden Dachgauben ausdrücklich ein. Die waren inzwischen auf der Grundlage von Teilabriss- und Umbaugenehmigungen demontiert und eingelagert worden. Bei der vorläufigen Neueindeckung wurden sie (noch) nicht wieder eingebaut. Sie lagerten zuerst neben dem Kaiserhof, dann auf dem Gelände eines Entsorgungsunternehmens und nunmehr an unbekanntem Ort – wenn sie denn überhaupt noch existieren. Der vom Insolvenzverwalter beauftragte Architekt ist heute (Mit)Eigentümer. Seit Jahren streiten sich nun die Eigentümer, der Denkmalschutz und die Stadt Porta Westfalica darüber, wie es weitergehen soll. Zwar liegt ein Konzept für eine gemischte Nutzung vor, doch scheint es alles andere als leicht zu sein, die so unterschiedlichen Belange wie Rentabilitätsansprüche, bedarfsgerechtes Bauen und Stadtbildpflege unter einen Hut zu bringen. Doch wenn alles schon so langsam geht, sollte doch wohl wenigstens dafür Sorge getragen werden, dass der “Zahn der Zeit” nicht inzwischen seine unerbittliche Zerstörungskraft so lange entfalten kann, bis es nichts mehr denkmalgerecht zu schützen gibt.

An dieser Stelle wird die weitere Entwicklung dargestellt: