Erzbergbau

Fritz W. Franzmeier

Kohle, Erz und Eisen

Schon seit den ersten Jahren des Dreißigjährigen Krieges wurde auf der nahen Bölhorst Steinkohle abgebaut. Noch heute heißt dort eine Erhebung “Schwarzer Hucken”. Zunächst wurde ungeordnet oder gar illegal gefördert, seit 1662 dann auf Basis einer ersten Brandenburgischen Bergordnung. Da der Große Kurfürst schon bald darauf verbieten ließ, Steinkohle zu importieren, lohnte sich der Abbau. Doch erst von 1743 an wurde eine staatlich belehnte “Gewerkschaft Minden-Ravensberg” systematisch tätig. Außer in Minden schürfte sie auch bei Bielefeld und Halle in Westfalen. In Lübbecke gewann sie ein paar Jahre lang sogar Silber.

Doch schon nach einem halben Jahrhundert waren die Lagerstätten weitgehend ausgebeutet. 1784 waren von den ursprünglich 16 Schächte und einem Tagesstollen nur noch zwei in Betrieb. Ihre Namen: “Hülfe Gottes Sanctus Ursula” mit zehn Arbeitern und “Endstation Hoffnung” mit 90 Arbeitern. Dazu Wikipedia: “Die Arbeiter gelangten über sogenannte Fahrten (hölzerne Leitern), welche senkrecht, oder lotrecht, in der Schachtwand montiert waren, nach unten, in die tiefen dunklen, feuchten Stollen. Die Grube wurde durch einen Tagesstollen, oder auch Wasserlösungsstollen, entwässert, …, der noch heute das salzige, ockerfarbene Grubenwasser zu Tage führt. Das Wasser aus dem tiefer liegenden Stollen musste rund 112 Meter hoch, bis auf den Tagesstollen bei Erbe gebracht werden. Dies geschah durch eine sogenannte ‘Kunst’, welche die Grubenwasser aus den ‘Kunstschächten’ hob. Diese Kunst war eine Art primitive, maschinelle Pumpe, die über ein Holzschaufelrad per Pleuel eine Pumpe antrieb. Die Kohlen wurden mit einem Pferdegöpel aus den Schächten zu Tage gefördert, hierbei läuft ein Pferd an einer Art ‘Karussell’, ein Holzrad als Seilwinde, in die jeweilige Richtung, in der das Seil hinauf, oder hinab bewegt werden soll. Die Förderstrecke, sprich Stollen, in denen die Bergleute arbeiteten, waren teils mit einem hölzernen Türstock ausgebaut, teils ein freistehendes selbsttragendes steinernes Gewölbe, ungefähr von Mannshöhe und von der Breite, dass zwei Kumpel aneinander vorbeigehen konnten.”
Die Grube war noch erbärmlich gesichert und lebensgefährlich. Unter anderem die Amtschronik und das Barkhauser Kapellenbuch berichten darüber. So fiel 1759 der Bergmann Christian Hoffmann mit 26 Jahren in den Schacht. 1770 kam Hermann Agathon, Obersteiger in Bölhorst, “durch Entzündung böser Dünste urplötzlich aus dem Leben”. 1780 erinnert ein Eintrag an “des Schulmeisters Sohn Thomas Friedrich Bock, welcher in den Kohlenschacht gestiegen auf der Bölhorst, hineingestürzt und leider erbärmlich ums Leben gekommen”. 1787 fand ein Jakob Nobbe, am 15. März 1853 fanden 11 Bergleute auf einen Schlag den Tod. Ähnlich acht Jahre später: “Am 7ten August […] explodierten die schlagenden Wetter in der vereinigten Kohlenzeche Laura & Bölhorst, wodurch 8 Bergleute sofort getötet, 5 schwer und 4 leicht verwundet wurden.” Mindestens zwei von ihnen waren Barkhauser, die auch “auf dem Todtenacker zu Barkhausen beerdigt” wurden. Unter dem 1.12.1873 heißt es, daß bei einer Kohlenwasserstoffexplosion auf der Zeche Bölhorst ein Bergmann starb und 12 verletzt wurden.

Nach vorübergehender Stilllegung und mehrfacher Umbenennung hieß das Unternehmen ab 1862 “Vereinigte Zeche Laura & Bölhorst”. Der zu Laura gehörige “Schacht Aurora” lag auf Barkhauser Gebiet, in Zollern. Über Aurora wurde erst ab 1880 gefördert – als die Schächte auf der Bölhorst bereits endgültig stillgelegt wurden. Zuvor hatte Aurora nach einem Bericht des Bergmeisters Gustav Brassert an das Oberbergamt Dortmund von 1862 nur “zur Fahrung und Wetterführung” gedient. Später wurde die ganze Anlage an die Zeche Meißen verkauft. Diese, 1876 eröffnet, gehörte zur Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Friedrich der Große in Herne. Sie wurde 1922 von der Ilseder Hütte übernommen. Schacht Aurora war bis 1887 in Betrieb, er litt unter starken Wassereinbrüchen. Auf den Resten der Anlage wurde 1888 ein Solbad errichtet. Meißen hielt sich bis 1958. Geblieben sind von all der brandenburgisch-preußischen Tradition des Bergbaus in Barkhausen die “Laurastraße” und der Name “Zollern”. 

Hier entstand im Jahre 1910 das “Bad Zollern”. Es hatte sich ebenso wie das “Solbad Minden” das mineralhaltige Quellwasser aus den alten Schachtanlagen zunutze gemacht, das u. a. gegen Anomalien der Blutbildung, gegen Nervenleiden, Rheumatismus und chronische Frauenleiden half.

Die Bölhorster Zeche produzierte vor allem für die “Saline Neusalzwerk” im jetzigen Bad Oeynhausen, belieferte aber auch andere heimische Abnehmer. Dazu zählte von 1857 an für wenige Jahre auch die Barkhauser Eisenhütte, wo u. a. Erz verhüttet wurde, das die “Zeche Georg” im Wittekindsberge gewann. Dazu sollte 1858 eine “Rossbahn” von Zollern zum Werk an der Weserfähre gebaut werden, wofür ein – bald aber wieder eingestelltes – Enteignungsverfahren in Gang gesetzt wurde. 1856 war, vom Staat gefördert, diese “Actien-Gesellschaft Porta Westphalica für Bergbau und Hüttenbetrieb” gegründet worden. Die wichtigsten Geldgeber des Unternehmens waren Gutsbesitzer aus dem Ruhrgebiet. Aber auch der Bölhorster Obersteiger Nottmeyer und – mit zwei Aktien zu je 500 Talern – der “Oeconom” Eduard Vogeler aus Barkhausen waren mit von der Partie.


Nottmeyer und Schachtmeister Schröder von der Zeche Laura hatten im Wittekindsberge Eisenerz entdeckt und sich dafür beim Oberbergamt die Mutungsrechte gesichert. Die Kohlenzeche “Vereinigte Laura & Bölhorst” gehörte der Hütte zu sechs Zehnteln. Gebaut wurden zwei Hochöfen – für Gusseisen, Puddeleisen und Herdguss. Ursprünglich vorgesehen gewesen waren sogar vier Öfen. Der erste wurde 1858 angeblasen. Verarbeitet wurde zwar auch Erz aus der Grube “Hector” bei Ibbenbüren, vor allem aber dasjenige aus dem Häverstädter Berg sowie vom Kirchsiek und vom Glockenbrink in Hausberge. 200 Arbeiter und Angestellte waren bald beschäftigt. Die Inbetriebnahme des zweiten “Hohofens”, wie er damals noch genannt wurde, scheiterte aber zunächst an logistischen wie auch an Absatzproblemen und wurde schließlich auf Anfang 1863 angesetzt.

Mit dem Hüttenbetrieb entstand zur Weseraue hin ein großes und wüstes Abraumareal, das dem Verfasser noch unter dem Namen Schlackenloch in Erinnerung ist. Hier sonnten sich an warmen Tagen die Salamander, wenn sie sich nicht vor dem Zugriff neugieriger Kinderhände in die Gänge und Höhlen zurückzogen, die der allmähliche und unregelmäßige Kühlungsvorgang in dem zähflüssig deponierten Gestein hinterlassen hatte. Hier tummelten sich auch die wilden Kaninchen, und mannigfaltiges Gesträuch siedelte sich an – ein ideales Biotop, wie man es heute wohl nennen würde. Die Schlacke von den Halden der Hütte war aber auch ein gefragter Baustoff und wurde – Beispiel: Großer Kurfürst – vielfach als Fassaden-, Mauer- und Grottenschmuck verwendet. Das Kesselhaus der alten Anlage mit dem nach den Bildern wie nach Berichten von Zeitzeugen sehr kunstvoll gestalteten Schornstein stand an der heutigen Schwartze Straße. Der Schlot war 52 Meter hoch. Damals fanden die Kinder an diesem Ort ein anderes Vergnügen. Ihre Eltern nahmen sie zuweilen zum allabendlichen Schauspiel des Abstichs mit. Die ganze Hütte leuchtete dann in der roten Glut des abfließenden und allmählich zu Barren erkaltenden Eisens.
Das Werk wurde bereits 1868 nach Konkurs fürs erste stillgelegt. Zu lange waren die Transportprobleme ungelöst geblieben. Auch die Gewinnung der erzenen “Peer-Eier” – so der Volksmund für die zentnerschweren Toneisenstein-Geoden – kam zunächst zum Stillstand. Schon bald nahm aber eine neue Gesellschaft unter dem Namen “Friedrichshütte” den Betrieb auf. Direktor war nun Obersteiger Friedrich Nottmeyer. Die Hütte hatte nicht weniger als 300 bis 400 Beschäftigte.
Als immer mehr hochwertiges Eisenerz aus Schweden importiert und die Kohle statt von der Bölhorst per Bahn aus dem Ruhrgebiet herbeigeschafft werden musste, liefen dem Werk die Kosten davon. Die Konkurrenz des Ruhrgebietes war erdrückend, die Frachtsätze zu Schiene und zu Wasser waren zu hoch. Hinzu kam eine schwache Konjunktur für Eisen und Stahl. Gegen Ende der 1870er-Jahre stockte die Produktion der Friedrichshütte erneut. Noch einmal, im Sommer 1879, wollte die Presse von einer baldigen Wiederaufnahme gehört haben. Doch die Konjunktur der Eisenindustrie blieb trotz neuer Schutzzölle flau, und so kam 1880 das endgültige Aus. Unter dem Kaufmann Albert Müller aus Essen wurde die Gesellschaft liquidiert.
Die 1866 eingestellte Förderung von Häverstädter Erz wurde 1936 von den Klöcknerwerken neu aufgenommen. Dazu wurde die “Erzbahnstrecke” vom Güterbahnhof Porta über die “grüne Brücke” nach Häverstädt gebaut. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg gesprengt, nach dem Kriege aber wieder notdürftig hergerichtet. Anfang der fünfziger Jahre wurde sie endgültig stillgelegt. Einer der letzten, die über sie fuhren, soll Konrad Adenauer gewesen sein – in einem “Wahlkampfzug” vor der Bundestagswahl 1953.
Von 1953 bis 1962 betrieb die “Erzbergbau Porta-Damme AG”, eine Tochter der “Barbara Erzbergbau AG und der Harz-Lahn Erzbergbau AG” Erzabbau an der Porta. Dann wurde die heimische Erzgewinnung eingestellt. 1967 wurde die Gesellschaft, zum Schluss eine GmbH, aufgelöst. Die Rechtsnachfolgerin “Barbara Rohstoffbetriebe GmbH mit Sitz in Langenfeld” ist aber bis heute in unserem Raume tätig.