Barkhauser Friedhofsgeschichte(n)

Von Fritz W. Franzmeyer

Die Funde aus früher Zeit

Grabspuren zählen zu den ältesten Nachweisen, dass Menschen dort siedelten oder durchzogen. Viele dieser Zeugnisse verschwinden unter neuem Baugeschehen, und man kann froh sein, wenn sie zuvor entdeckt und dokumentiert wurden. In Barkhausen gibt und gab es eine ganze Reihe alter oder neuerer Gräberfelder.

Kreuzkirche an der Wittekindsburg

Die ältesten von ihnen wurden erst vor wenigen Jahrzehnten entdeckt. Es sind dies zum einen die Gräber einer wohl adligen Frau mit ihren vier Kindern im Zentrum der – schon auf Häverstädter Gebiet gelegenen, aber als zum Umfeld der Wittekindsburg gehörig empfundenen – Kreuzkirche. Deren Mauerreste wurden 1995 ergraben. Zum anderen handelt es sich um einige Gräber auf dem Gebiet des sogenannten Römerlagers im Winkel zwischen Alte Poststraße und Auf der Lake. Die Reste der aus dem 10. Jahrhundert stammenden Kreuzkirche wurden denkmalgerecht restauriert und unter Glas gesichert; sie können heute jederzeit besichtigt werden. 

Grabungsfeld „Römerlager“

Das Römerlager ist zwar noch ein Jahrtausend älter, wurde aber erst im Jahre 2008, also deutlich später als die Kreuzkirche, im Zusammenhang mit einem Bauvorhaben entdeckt. Das Areal spielte aber nicht nur im Kontext der römischen Germanien-Feldzüge eine Rolle. Zwar stammen die meisten Funde aus jenen Jahren kurz nach Beginn unserer Zeitrechnung, doch hat hier die riesige Spanne von der frühen Bronzezeit bis ins späte Mittelalter Spuren hinterlassen, sind über sie verteilt doch die Funde von Feuerstellen und eben auch Gräbern einzuordnen. 

Inzwischen wurde hier gebaut, nachdem die mobilen Grabungsfunde gesichert und die ans Erdreich gebundenen dokumentiert worden waren. Äußerlich erinnert heute nur noch die neue Straße Am Römerrlager an diese erst knapp 20 Jahre alten Grabungen, die dem „Förderverein Römerlager Barkhausen e. V.“ nach Anregung und unter der Ägide der Archäologen im Landschaftsverband Westfalen-Lippe zu verdanken sind.

Der Kirchhof an der Dorfkapelle

An die Dorfkapelle umgesetzte Grabsteinen

Doch manchmal trügt der Schein des Alters. Im Kernbereich des westlich der Portastraße gelegenen Ortsteils Barkhausen – der Ortsteil Aulhausen liegt östlich der Straße – steht eine schlichte Dorfkapelle aus Portasandstein. Ihr eigenes hohes Alter von fast 500 Jahren ist zwar unbestritten. Das gilt sicher auch für den kleinen „Kirchhof“ um sie herum, ja selbst für viele Grabsteine und -platten darauf.

Doch diese Steine und Platten markieren keine alten Grabstätten. Zwar dürften durchaus längst verweste Gebeine hier geruht haben. Doch sie gehörten nicht denen, die über ihnen vermerkt sind. So stammt die Grabplatte für die Gattin eines schwedischen Obristen, wie der Inschrift zu entnehmen ist, bereits aus dem Dreißigjährigen Krieg; die Dame starb im Jahre 1639.

Die Platte liegt dort aber erst gerade mal ein gutes halbes Jahrhundert. Ähnlich, wenn auch nicht so altehrwürdig, sieht es mit dem Grabstein des Schmiedemeisters Witthaus aus. Der starb vor über hundertfünfzig Jahren, doch sein Stein steht dort ebenfalls erst wenige Jahr­zehnte. Das gleiche Schicksal teilen die anderen Grabsteine, vielleicht ein oder zwei Dutzend an der Zahl.

Grabplatte für die schwedische Obristen-Gattin

Aber wo stammen sie her? Die Antwort ist ziemlich prosaisch: von einem anderen, unweit gelegenen Friedhof hinter der alten Schule an der Kreisstraße/ Ecke Kapellenweg – der im übrigen nicht nach der Dorfkapelle, sondern der Margaretenkapelle auf dem Wittekindsberg benannt ist. Nachdem dieser Friedhof im Jahre 1939 eingezogen worden war und zum Verkauf als Baugrund anstand, entging zum Beispiel die im Erdreich verborgene Grabplatte der Obris­ten-Gattin der Bestandsaufnahme. Sie wurde im Jahre 1972 bei Ausgrabungen auf dem Grundstück Kapellenweg 10 wieder zutage befördert und dann an die Kapelle umgesetzt. So lange hatten andere, sichtbar gebliebene und für dekorativ befundene Steine und Platten nicht auf ihre Umsetzung warten müssen. Der Stein des Schmiedemeisters kam allerdings zunächst in den Schuppen seines heutigen Nachfahren – auch er wieder ein Schmiedemeister Witthaus –, und von dort erst, auf Anregung von Pastor Wilhelm Westermann, an die Kapelle. Auch die Todesdaten auf den übrigen Grabsteinen weisen nur in das 19. Jahrhundert zurück.

Von anderen prominenten Barkhausern aus dem 19. Jahrhundert weiß man wiederum zwar, dass sie am Kapellenweg begraben wurden, nicht aber, wo ihre Steine geblieben sind – so sie denn welche hatten. Das gilt etwa für die Lehrer Johann Peter Lüdecke und August Koch ­sowie Christian Hoffmann und seine Frau Louise geb. Dettmer, die Inhaber des Gasthauses an der damals neuen Chaussee – der jetzigen Portastraße bzw. Freiherr-vom-Stein-Straße –, gegenüber dem späteren Hotel Der Kaiserhof. Von wiederum anderen Barkhausern wird man annehmen müssen, dass sie überhaupt nicht im Dorf bestattet wurden. So vor allem die Anhänger des „israelitischen Glaubens“, wie es in den alten Dokumenten heißt. Sie dürften, sei es wegen ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Kultusgemeinde, sei es aus Gründen der gesellschaftlichen Ausgrenzung, auf einem der zwei in Nachbarorten liegenden jüdischen Friedhöfe ruhen, entweder dem unmittelbar hinter der damaligen Nordgrenze Barkhausens am Mindener Erikaweg gelegenen oder dem idyllischen an der Kemstraße in Hausberge.

Der Kirchhof an der Kapelle hat jedenfalls nicht die Qualität eines Denkmals, an dem Dorfgeschichte abgelesen werden kann. Authentische, wenngleich lückenhafte Dokumente sind lediglich die Steine und Plat­ten als solche, insoweit ihre Beschriftung – was zum Teil der Fall ist – interessante Auskünfte über im Dorf gelebtes Leben gibt. Viele Steine verblieben aber wohl überhaupt nicht in Barkhausen. Das hängt damit zusammen, dass auch viele Mindener hier bestattet wurden. Als nach den Befreiungskriegen die Mindener Festungswerke erweitert wurden, zog man zu diesem Zwecke auch Friedhöfe ein. Hunderte von Bürgern mussten umgebettet werden. Damitt taten sich die Mindener schwer. Es entstand in sicherer Entfernung von den Festungsmauern ein Wildwuchs an vermeintlich sicheren Begräbnisstätten, doch auch auf etablierten Friedhöfen in den umliegenden Dörfern kaufte man sich ein. Als 1821 Entwarnung für die Totenruhe auf dem städtischen Friedhof gegeben wurde, blieben viele Mindener trotzdem diesen Ausweichfriedhöfen treu. Exhumierungen waren teuer, und man wollte die Familie auch nach dem Tode nicht voneinander trennen. Erst wenn Friedhöfe aufgelassen wurden und Angehörige von dort Bestatteten noch lebten, wandertren viele Steine wieder zurück in die Stadt.

Der „alte alte“ Friedhof

Zu den dörflichen Friedhöfen, auf denen Mindener nach 1814 Erbbegräbnisse kauften, gehörte eben auch der am Kapellenweg in Barkhausen. Der Mindener Diakon der Martini-Kirche, Deppen, wurde samt Grabstein nach Barkhausen umgebettet. Die Kapellengemeinde Barkhausen gehörte zur Landgemeinde von St. Martini. Der letzte Tote wurde im Jahre 1884 am Kapellenweg bestattet. Einerseits waren ja die Minde­ner auf die städtischen Friedhöfe zurückgekehrt, andererseits hatte die politische Gemeinde Bark­hausen an der Kreisstraße einen größeren Friedhof eröffnet. Die Einwohnerzahl wuchs rasch, an Kapelle und Kapellenweg mangelte es an Platz für neue Begräbnisse, und es gab nun auch in Barkhausen einen nicht unbeträchtlichen Neubedarf an großen, repräsentativen Erbbegräbnissen.

Vom Aussehen des früheren Friedhofs am Kapellenweg wüssten wir heute so gut wie gar nichts, wäre nicht jüngst der Zufall zu Hilfe gekommen. Es lebt ja kaum noch jemand, der sich an die letzten Jahre dieses Gottesackers erinnern könnte. Einer der wenigen ist Co-Autor Robert Kauffeld. Er wuchs in diesem Viertel des Ortes auf und hat noch den gruseligen Anblick vereinzelter Knochen und sogar eines von der Zeit blank geputzten Schädels parat, Fundstücke, die auf dem verlassenen, aber damals noch nicht geräumten und zum Abenteuerspielplatz mutierten Gräberfeld zutage getreten waren. Doch Kauffeld kann diese Erinnerung nur verbal weitergeben. Es gibt kein Bild davon.

Genau das änderte sich jetzt. Entdeckt wurden im Kommunalarchiv Minden Fotos von alten Gräbern. Einige davon stammen eindeutig vom aufgelassenen Barkhauser Friedhof am Kapellenweg und müssen bei dessen Räumung aufgenommen worden sein. Zwei Gebäude im Hintergrund sind nämlich unverkennbar: das frühere „Spritzenhaus“ gegenüber am Kapellenweg und die Rückseite der alten Fachwerkschule an der Kreisstraße /Ecke Kapellenweg.

Die Schule und der unmittelbar angrenzende Friedhof standen in einem gewissen Zusammenhang. Das Schulgebäude war damals, als die Bilder entstanden, schon längst im pädagogischen Ruhestand und in private Nutzung übergegangen. Die Gemeinde stand 1940 mit seinem Eigentümer Bergbrede in Kaufverhandlungen, weil sie in dem Gebäude ein HJ-Heim einrichten wollte. Zu dem Zwecke hatte sie auch den seit etwa 1910 nicht mehr gepflegten Friedhof übernehmen wollen. Den hatte Bergbrede bis dahin für 3 Mark jährlich gepachtet und darauf Obst gezüchtet und Wäsche getrocknet. Als die Gemeinde ihre Pläne aufgab, kaufte Bergbrede den nun ehemaligen Friedhof hinzu und machte Baugrund daraus. Gebaut wurde allerdings erst Jahre nach dem Krieg. Das Ergebnis sieht man auf dem aktuellen Foto.

Blick vom alten Friedhof am Kapellenweg auf die Rückseite der ehemaligen Schule
Heutiger Blick auf das frühere Friedhofsareal; rechts die ehemalige Schule

Das Spritzenhaus aber sollte noch Jahrzehnte seinen Dienst tun, bis es den technischen Anforderungen nicht mehr genügte. Heute ist auch es ein Wohnhaus. Nichts erinnert heute mehr an die versunkene Friedhofslandschaft.

Blick vom alten Friedhof auf das damalige Spritzenhaus
Ungefähr gleicher Standort und gleiche Blickrichtung heute

Nicht von allen Fotos lässt sich sagen, ob sie auf dem Friedhof am Kapellenweg entstanden. So ist etwa ein großes steinernes Kreuz auf denkmalartigem Sockel zu sehen. Ein ähnliches steht heute auf dem nun auch schon als „alt“ benannten Friedhof an der Kirche. Wurde auch dieses monumentale Schmuckstück, das zur Entsorgung doch sicher zu schade gewesen wäre, umgesetzt? In diesem Fall nicht an die Kapelle, sondern auf den Nachfolgefriedhof an der Kirche? Allerdings müsste es dabei im Sockelbereich umgestaltet worden sein. Wegen der unverkennbaren Unterschiede ist natürlich nicht auszuschließen, dass es sich um zwei verschiedene Bauwerke handelt – wobei dann für das ältere Foto auch wieder die Standortfrage ungeklärt wäre.

Monumentsockel mit großem Kreuz, vermutlich auf dem alten Friedhof
Monumentsockel mit großem Kreuz auf dem stillgelegten Friedhof an der Kirche

Der „neue Alte“ Friedhof

Dieser „neue Alte Friedhof“ zwischen Pfarrstraße und Kreisstraße wurde 1870 eröffnet. Er ist also noch fast 30 Jahre älter als die benachbarte, 1899 eingeweihte Kirche.

Barkhauser Kirche mit vorgegertem Friedhof in ihren frühen Tagen

Er hat eine fast farcenhafte Vorgeschichte. Um 1860/61 stritten sich Barkhauser und Aulhauser Bauern und ihre Seilschaften im Kapellenvorstand und in der Vertretung von St. Martini fintenreich um das angeblich geeignetste Grundstück, wobei die Rivalität zwischen Barkhausen und Aulhausen eine Rolle spielte. Der Streit kochte so hoch, dass schließlich das in letzter Instanz zuständige Berliner Ministerium eingeschaltet wurde. Es sprach den kirchlichen Gremien schlicht jedes Mitspracherecht ab und verlangte für den Fall der Uneinigkeit, dass die politische Gemeinde entscheide. So geschieht es. Die Gemeindeversammlung  beschließt am 9. Juni 1863 den Ankauf der Parzelle 258 in Flur 57 vom Bauern Böschemeyer. Sie kostet 500 Reichstaler und liegt zwar im Ortsteil Barkhausen, aber nahe an Aulhausen. Damit können bei Lichte besehen alle zufrieden sein. Der Kaufvertrag wird  am 22. Juli genehmigt. Die Eigentums­übergabe findet am 5. September 1864 statt.

Allzu lange reichte das angekaufte Areal dann aber doch nicht aus; zu dynamisch verlief die Bevölkerungsentwicklung des Ortes. So entstand schon um die Jahrhundertwende Bedarf an neuen Begräbnisplätzen. Er wurde aber noch nicht durch Anlegung ei­nes weiteren Friedhofs gedeckt. Vielmehr wurde der vorhandene im Jahre 1902 nach Osten erweitert. Damit wurde ihm auch eine gefälligere, nicht mehr so langgestreckte Form gegeben. Man hatte ihn auch deshalb bisher nicht aufgeben wollen, weil ja  inzwischen die Kirche gebaut worden war und er damit eine ideale Lage bekommen hatte.

Genau 100 Jahre später fasste der Gemeinderat den Beschluss, ihn im Jahre 2000 zu schließen und peu à peu in einen Park umzuwandeln.

In neuerer Zeit zunehmender Park-Charakter des Friedhofs an der Kirche

Ausnahmen sollten nur für nachversterbende Ehepartner gelten. Doch so wenig einfach wie der Erwerb, gestaltete sich zunächst auch die Stilllegung des Friedhofs. Denn der Oberkreisdirektor verweigerte die Zustimmung und belehrte den Rat erst einmal über korrektes Behördendeutsch. Es sei zwischen „Entwidmung“ und „Außerdienststellung (gemeinhin als ‘Schließung’ bezeichnet)“ zu unterscheiden. Man habe seitens des Kreises ja im Prinzip nichts gegen eine Außerdienststellung, doch zuvor müsse der Bedarf erhoben werden. Auch gebe es ja noch auf absehbare Zeit Rechte an Erbbegräbnissen. Bis zum Vorliegen der Voraussetzungen sei also nur eine „Beschränkung der Benutzung“ möglich. Mit einer solchen nun war der OKD, vertreten durch den Amtmann, durchaus einverstanden. Hatte die Gemeinde denn überhaupt etwas anderes vorgehabt?

Der „Waldfriedhof“

Es gibt in Barkhausen noch einen anderen aufgelassenen, aber immer noch zu besichtigenden Friedhof: den zum Gut Wedigenstein gehörigen kleinen „Waldfriedhof“, der gleich hinter dem Gut versteckt und idyllisch am Südhang des Wiehengebirges liegt.

„Waldfriedhof“ der Familie Schumacher-Ströver hinter Gut Wedigenstein

Hier ruhen am längsten die Gebeine des ersten Privatbesitzers des zuvor zum Vermögen des Mindener Domkapitels gehörigen Gutes, Heinrich Ludwig Schumacher. Dessen Sohn Carl Wittekind konnte vielleicht von Glück sagen, dass sein Antrag auf Anlegung des Familienfriedhofes überhaupt bewilligt wurde, beanstandete man doch argwöhnisch, er hänge der umstrittenen Lehre des Holzhauser freikirchlichen Pfarrers Carl August Schrader an.

Aus Schumachers Familie ging auch die Malerin und Schriftstellerin Ida Caroline Ströver hervor. Nach Kindheit und Jugend auf dem Gut – sie berichtet darüber in ihrem Roman „Die goldene Pforte“ – und einem Künstlerleben in München, Bremen, Berlin und später Murnau fand sie 1952 nach Barkhausen zurück und wurde 1955 auf dem alten Familienfriedhof beigesetzt, wohl als letzte, nicht nur aus der Familie, sondern überhaupt. Schon der nachfolgende Gutsbesitzer Osthaus ist auf dem Friedhof an der Kirche bestattet. Nach Ida Ströver ist die unscheinbare Straße benannt, die hinter dem Gut zum Friedhof hinauf führt.

Der Neue Friedhof

Neuer Friedhof an der Alten Poststraße

„In Betrieb“ ist nur noch der jüngste der Barkhauser Friedhöfe, der „Neue“ im nördlichen Winkel zwischen Alte Poststraße und Burkamp. Er wurde 1920 eröffnet. Es hatte sich abgezeichnet, dass die Aufnahmekapazität des alten bald erschöpft sein würde.

Ganz ohne Streit ging auch der Erwerb des neuen nicht ab. Dabei hatte sich alles so vielversprechend angelassen. Bauer Münstermann schenkte der Gemeinde einen halben Morgen Land für den durch Pastor Friedrich Meyer angeregten „Ehrenhain“ in memoriam der im Ersten Weltkrieg gefallenen Barkhauser. Freilich konnte Münstermann damit zugleich sicher sein, dass die Gemeinde ihm anschließend auch die für den Friedhof benötigte, sehr viel größere Restfläche  von fünf Morgen abkaufen würde. Im Gegenzuge räumte er der Gemeinde großzügig einen beidseitig auf zehn Jahre unkündbaren Hypothekenkredit mit vierprozentiger Verzinsung. ein. Das nun wieder sollte er bald bereuen, denn die Inflation, die sich schon abzuzeichnen begonnen hatte, fing alsbald an zu galoppieren, fraß seine Zinserträge auf und minderte drastisch den Realwert seines Verkaufserlöses. 1925 – inzwischen war die wertbeständige „Rentenmark“ eingeführt – verlangte er daher eine Aufwertung seiner Forderung, und zwar in solcher Höhe, dass die Gemeinde ihn auf den Klageweg verwies. Der endete im Oktober 1926 in einem Vergleich.

Der „Ehrenhain“ aber wurde nie angelegt. Er war der Gemeinde zu teuer, und zudem ließ der Kriegerverein ja 1924 das Kriegerdenkmal an der Kaiserstraße bauen. Doch mit dem Wegfall des Plans musste die Gemeinde dem Herrn Münstermann nun auch noch den dafür vorgesehen gewesenen halben Morgen Land bezahlen. Von einem Geschenk blieb nichts übrig. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es neuen, allerdings ganz anderen Grund, einen Ehrenfriedhof anzulegen. Jetzt galt es, der vielen KZ-Opfer zu gedenken, die in Barkhausen ihr Leben gelassen hatten und auf dem Neuen Friedhof zu ihrer letzten Ruhe gekommen waren.

Ehrengrabstätte für 73 KZ-Häftlinge auf dem Neuen Friedhof, ältere Aufnahme
Die Ehrengrabstätte heute

Nun auch erst wurde die Kapelle auf dem neuen Friedhof gebaut. Mit ihrer Fertigstellung im Jahre 1954 fanden auch die langen Leichenzüge von der Kirche oder der alten Kapelle ihr Ende.

Wie wäre wohl alles ohne Pastor Meyers Idee und Kolon Münstemanns anfängliches Angebot gekommen? Gäbe es dann den Neuen Friedhof womöglich gar nicht an jetziger Stelle? Wäre statt dessen vielmehr der Alte Friedhof zur Portastraße hin erweitert worden? Wir wissen es nicht. Immerhin hatte ein Gutachten dem wesernahen, feuchten Erdreich an der Alten Poststraße die Begünstigung rascher Verwesung zugeschrieben. Dann war, wie es gekommen ist, ja wohl alles richtig. Leider wird der Verfasser dieses Beitrags die wissenschaftliche Seriosität des Gutachtens selber nicht testen können, obwohl der Zeitpunkt dafür nicht fern sein dürfte. Für ihn ist ein Plätzchen im trockenen märkischen Sand reserviert. Weshalb wohl besser an eine verwesungsresistente Urne gedacht werden sollte.