Robert Kauffeld, Bericht im Mindener Tageblatt:

 

 

Für Naturfreunde:

 

Das Vogelparadies in Porta Westfalica
 

Es ist ein Paradies für Vögel, dieses Naturschutzgebiet unweit der Weser, das immer wieder viele Besucher anlockt. Die sind dann von diesem schönen Wandergebiet sehr beeindruckt, obwohl sie oftmals nur wenige Vögel gesehen haben. Doch die Vögel können hier – ein wenig wie in ihrem Paradies – weitgehend ungestört leben.

Früh morgens, wenn noch leichter Dunst über den Wiesen liegt, wenn die Sonne gerade aufgeht und über Wald und Felder ein besonderes Licht zaubert, das ist die Zeit für den Naturfreund. Dann ist er noch allein mit der Natur, die sich ihm immer mehr offenbart, ihm immer mehr Geheimnisse preisgibt und auch die Vögel in ihrer natürlichen Umgebung zeigt.

„Wochenend und Sonnenschein“ – das ist anderes Erlebnis. Schon die zahlreichen Autos auf dem Parkplatz am Tenniscenter deuten auf eine große Besucherzahl hin, doch „es verteilt sich“. Man stellt überrascht fest, dass es ruhig bleibt und die Natur nicht ihren Charme verliert. Und so findet auch der Erholung suchende Wanderer seinen Ort zur Entspannung und zu interessanten Beobachtungen.

 

Es ist Herbst, der Wald zeigt sich in seinen schönsten Farben. Wenn die Sonne in das gelb-, orange-, rot-, und braun- gefärbte Blätterwerk scheint, dann gibt es zusammen mit dem stahlblauen Himmel ein wunderschönes Farbenspiel.

„Rund um und durch das Vogelparadies“, so wird der etwa 3 km lange mit „A3“ bezeichnete Weg beschrieben, der am Wanderparkplatz Vogelparadies beginnt. Egal welche Richtung man einschlägt, es bieten sich immer wieder neue Eindrücke. Man kann  „nur Spazierengehen“ und hat seine Freude. Doch es lohnt sich, ein wenig genauer zu beobachten und überraschende Entdeckungen zu machen. Die Kinder machen es vor: Sie haben schnell die vielen Eicheln am Boden gefunden, sammeln einige auf und lassen sich gern zeigen, dass diese Früchte von den Eichen, den Bäumen mit den stark gebuchteten Blättern, gefallen sind. Und sie entdecken Büsche mit weißen Beeren, deren Namen „Schneebeeren“ sie nicht mehr vergessen werden, obwohl sie den Früchten oft den Namen Knallerbsen gegeben haben. Doch Vorsicht: Die sind giftig!

 

Dann ein Busch mit eigenartig geformten roten Blüten: Der Name Pfaffenhütchen passt genau, unverwechselbar. Ein anderer Busch ist vollkommen überwuchert und wird beinahe erdrückt von einer Pflanze mit zapfenähnlich geschuppten Blüten. Es ist wilder Hopfen. An anderen Büschen und Bäumen klettert Wilder Wein empor und zeigt in seiner Herbstfärbung farbenprächtige Blätter, die von den Kindern gern gesammelt und als Lesezeichen verwendet werden.

 

 

Riesige Bäume, wohl die größten weit und breit, das sind Pappeln, von denen es hier verschiedene Arten gibt. Der Blick nach oben lohnt sich. Man erkennt große grüne „Bälle“ aus Zweigen, die offenbar nicht zur Pappel gehören. Es sind Misteln, Halbschmarotzer, die auch im Winter grün bleiben. Aus ihren klebrigen weißen Beeren hat man früher Leim hergestellt, mit dem Zweige bestrichen wurden, die dann als Leimruten dem Vogelfang dienten.

Dann kommt uns ein Baum recht bekannt vor. Auch ohne große botanische Kenntnisse haben wir schnell die wilde Kirsche erkannt, die sich kaum von dem Kirschbaum in unserem Garten unterscheidet. Und im eigenen Garten wächst auch die so schön blühende rankende Clematis. Hier finden wir die wilde Form, die Waldrebe, die schnell an den spinnenartigen Früchten zu erkennen ist.  Noch viele andere Früchte hängen an Bäumen und Büschen, Futter für manche Vogelart, wie schwarze Holunderbeeren oder die schönen roten Beeren des Weißdorns.

Auch der Blick nach unten lohnt sich. Schnecken, mit und ohne Haus, kleine oft farbenprächtige Käfer, man wundert sich, wie lange Kinder sie fasziniert betrachten können. Und auch Pilze sind einen Blick wert.

 

Immer wieder können wir durch die Zweige auf die Wasserflächen der Teiche sehen. „Aufgeräumt“ sieht es hier nicht aus, sogar dicke Bäume liegen im Wasser. Es ist Natur, nicht ein künstlich angelegter Naturpark.

Doch wie ist es nun mit den Vögeln in ihrem Paradies. Auf den Teichen werden wir schnell das Blesshuhn erkennen, schwarz mit einem weißen Fleck vor der Stirn. Vielleicht sehen wir den Feldsperling, dessen Bruder wir längst kennen, den Haussperling. Für Kohlmeisen hängen sogar Nistkästen an den Bäumen.

 

Oben über uns könnte der Mäusebussard kreisen, ein Greifvogel, gut zu erkennen an seinen breiten abgerundeten Flügeln und dem kurzen rund gefächerten Schwanz. Charakteristisch ist  sein weithin hörbarer "hiäh"-Ruf. Vielleicht hören wir auch den Alarmruf der „Polizei des Waldes“, des Eichelhähers, der auf jede Gefahr mit seinem „dchää  dchää“, einem unüberhörbaren rauen, kreischenden Rätschen warnt und schon manchem Jäger das Wild „vergrämt“ hat.

Zaunkönig, Grünfink, Rotkehlchen, Nachtigall, Grasmücken, Enten, Krähen und viele andere, sie sind alle hier, nicht jeder kann sie beobachten.

 

Doch ein Schauspiel besonderer Art kann uns in dieser Herbstzeit manchmal erfreuen. Das ist die Versammlung von Zugvögeln auf den Feldern und Wiesen neben dem Wald des Vogelparadieses. Dort lassen sich oftmals hunderte von Graugänsen nieder, bevor sie weiter zum Süden fliegen.

Versuch Text

Es ist nicht schwer, auch mit geringem Wissen über die Tiere und Pflanzen unserer Heimat einen einfachen Spaziergang zu einem Erlebnis werden zu lassen, und mit gelangweilten Kindern hat man keine Probleme. Ein wenig Vorbereitung ist schon nützlich, ein einfaches Buch, in dem man nachschlagen kann, recht hilfreich. Wer sich sehr eingehend mit dem Vogelparadies beschäftigen will, könnte zu dem Naturkundlichen Führer „Das Vogelparadies“ greifen, das im Herbst 2006 herausgegeben wurde von „Naturschutz und Heimatpflege Porta e.V.“

Hier könnte sich auch die Stadt etwas Neues einfallen lassen: Einen Waldlehrpfad besonderer Art, ohne Kennzeichnung von Bäumen und Sträuchern, dafür aber mit einer  Wegbeschreibung, die darstellt, was rechts und links des Weges zu sehen ist. Die sollte einfach und preiswert sein, ohne viel „Wissenschaft“, so, dass jeder Spaß daran finden kann, ein wenig mehr von der Natur zu begreifen.
 

Der Weg zum Vogelparadies:

Vom Kaiserhof über die Brücke  -  rechts auf die B 482  -  nach 700 m rechts Richtung Gewerbegebiet (an der Feuerwehr vorbei)  - nach rechts an der Bahn entlang  -  nach 300 m links durch die Unterführung  -  sofort links bis zu einem der Parkplätze am Vogelparadies (erst ein kleiner, dann der große am Tenniscenter.

                        

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

Vogelparadies - - -

 

 

 

 

 

 

     © Mindener Tageblatt 2006

 

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