Ein besseres Weib für Tell

Heldenhaft dieser Tell, wie ihn Willi Hupe in den Aufführungen der Freilichtbühne darstellte, an zahlreichen Wochenenden, nur manchmal regnete es leider. Dann saßen die Darsteller wartend in ihrem „Vereinsheim", das anfangs nur eine Bude war. Blick zum regenverhangenen Himmel: „Heute wird es nichts mehr." Man musste zwar noch abwarten, konnte sich aber doch schon mit einigen Getränken trösten.
Und plötzlich scheint die Sonne. Zuschauer kommen. Der Tell wird auch heute wieder den Apfel treffen. Aber zuvor, gleich im ersten Akt, muss er den Landsmann Baumgarten retten. Er rudert ihn über den vom Gewittersturm aufgepeitschten See und riskiert dabei sein eigenes Leben. Einem Hirten trägt er auf: „Landsmann tröstet Ihr mein Weib, wenn mir was Menschliches begegnet". So steht es jedenfalls im Drehbuch. Doch Willi Hupe spricht es so, wie man es schon mal im Spaß gesagt hatte, laut und deutlich: „Landsmann tröstet Ihr mein Weib, wenn mir was Besseres begegnet". Fröhliches Entsetzen bei den Darstellern, doch ob den Zuschauern solche Gedanken nicht fremd sind? Viele haben nicht gelacht. Nicht besonders schlimm, dass Tells Ehefrau vor allen Zuschauern von den geheimen Wünschen ihres Gatten erfahren musste. Dass die aber im richtigen Leben auch Willis Ehefrau war, gerade mal vor drei Wochen geheiratet, gab allerdings dem Ganzen eine etwas pikante Note.

Durch Hupes Freud’sche Fehlleistung wird sich Walter Rommelmann als Melchthal herausgefordert gefühlt haben, mit besonders revolutionärer Inbrunst in der Rütliszene den ernsten Charakter der Aufführung zu retten. Doch auch das ging schief, denn die Mitverschworenen – ein klappriger Rentner, ein an der Schwurhand allzu deutlich erkennbar Fingeramputierter, ein motorisch und sprachlich Gestörter und ein rührend Unbeholfener – bildeten zu dem heißen Patrioten einen allzu jämmerlichen Kontrast. (FF, RK)

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