Sprengung des Denkmalstollens

Vor 60 Jahren: Gefahr für das Denkmal

Porta Westfalica - Barkhausen (rkm). „Ein peitschender Explosionsknall von ungeheuerer Wucht durchschlug am Dienstagnachmittag die wartende Stille im weiten Teil der Westfälischen Pforte“, so berichtete eine Mindener Zeitung vor sechzig Jahren.

Am 23.04.1946 hatte die englische Besatzungsmacht den vorderen Teil des so genannten Denkmalstollens gesprengt, in dem während des Krieges Rüstungsbetriebe unter dem Decknamen „Stöhr II“ produzierten. Noch zu Beginn des Krieges hatte der Stollen dieses früheren Steinbruchs ein Dornröschendasein geführt und nur gelegentlich den Mutproben der Dorfjugend gedient, wenn zum Beispiel die HJ den Kampf gegen die „feindlichen Hausberger“ angeordnet hatte.

Als dann der Bereich um die Höhle weiträumig abgesperrt wurde, begannen umfangreiche Bauarbeiten. Innerhalb weniger Monate wurden der Höhleneingang mit einer meterdicken Betonwand gesichert und im Inneren mehrer Stockwerke errichtet. Das konnte nur durch den schonungslosen Einsatz von Zwangsarbeitern erreicht werden. Bald produzierten die Mindener Firma Dr.-Ing. Böhme Teile für den Flugzeugbau und die Firma Veltrup aus Aachen Panzerfäuste.

In den letzten Tagen des Krieges konnte sich die Barkhauser Bevölkerung selbst einen Eindruck von dem Rüstungsbetrieb machen, als sie wegen der bevorstehenden Kampfhandlungen Schutz in den unterirdischen Anlagen suchen durfte.

Ein Jahr dauerte es, bis an einem Dienstag um 15:30 Uhr eine riesige schwarze Rauchwolke vor dem Denkmal zum Himmel stieg und der Detonationsknall mehrerer Tonnen Sprengstoff die zahlreichen Zuschauer erschreckte, die weitab in den Weserwiesen das Schauspiel beobachteten. Große Teile Barkhausens waren vorher geräumt worden. Alle Fenster mussten geöffnet werden, auch in Hausberge und Neesen. Trotzdem gingen Fensterscheiben zu Bruch und manches Haus verlor Dachpfannen. Aber – und das war den Barkhausern wichtig: Das Denkmal stand! Doch wie sehr es gefährdet war, kann man noch heute sehen, denn ein großer Teil des Vorplatzes ist nach unten gestürzt. Die Sandsteinmauer, die an beiden Seiten stehen blieb, zeigt den früheren Verlauf des halbrunden viel größeren Platzes. Unten, wo früher einmal der Eingang zum Stollen war, liegen heute klobige Felsbrocken und Geröllmassen, ein guter Hintergrund für die Zielscheiben des Barkhauser Schützenvereins.

    zurück