Robert Kauffeld, Bericht im Mindener Tageblatt:

 

 

Die Personenschifffahrt

 

zwischen Porta und Minden
 

Wie es nach dem Krieg begann
 

Es war 1947, der Krieg war seit zwei Jahren zu Ende, noch immer hatten die Sorgen um Essen, Kleidung und Wohnung Vorrang, doch auch der Wunsch nach
ein wenig Vergnügen, nach etwas mehr Freude regte sich bei den Menschen unseres Landes. Da erschien es fast wie ein Wunder, als – wie in Friedenszeiten – wieder Personenschiff auf der Weser zwischen Porta und Minden verkehrte.
Ein junger Mann aus Lerbeck, Hermann Küster, der als Kind oft seine Freizeit an der Weser verbracht, viele Schiffe staunend beobachtet und davon geträumt hatte, selbst einmal ein Boot zu führen, hatte sich seinen Traum erfüllt.

Vielleicht war es zu dieser Zeit nicht besonders schwer, in Bremen eine Marinebarkasse zu bekommen, auch wenn man noch mit der alten Reichsmark bezahlte, doch Instandsetzung, Unterhaltung und Betriebskosten bereiteten erhebliche Probleme. Hermann Küster, damals 23 Jahre alt, blieb weiterhin bei der Innungskrankenkasse in Minden tätig und fand mit Erich Baade einen erfahrenen Schiffsführer, der früher als Kapitän auf großer Fahrt die Weltmeere bereist hatte.
Bis endlich die „Tümmler“ regelmäßig zwischen Porta und Minden verkehren konnte, waren noch Anlegestege zu bauen. Die Frage nach den Schwimmkörpern war schnell geklärt. Da gab es doch beim Wasserübungsplatz am Blauen See in Lerbeck die früheren Sturmboote der Pioniere, die wohl keinem mehr gehörten. Selbstbedienungsläden wurden zwar erst später erfunden, doch solche und ähnliche Fälle liefen zu dieser Zeit unter dem Begriff „Organisieren“ und bedeuteten damit nichts Verwerfliches.
Damals verkehrte noch die Straßenbahn zwischen Barkhausen und Minden – aber nicht sehr oft. Nach der Sprengung der Kettenbrücke konnte man nur mit der Fähre die Weser überqueren. Da war der direkte Weg mit der Tümmler sehr beliebt. Aber es gab auch schon Ausflugsfahrten, zum Beispiel weseraufwärts. Eine der ersten größeren Fahrten machte eine Eisberger Schulklasse. Morgens um 5 Uhr bestiegen die Kinder in Eisbergen das Schiff zur Fahrt nach Hameln.
Zwischenfälle gab es auch. Die Weser war weder ausgebaggert noch zuverlässig von Kriegsmaterial geräumt. Da lief das Schiff bei Niedrigwasser schon mal auf Grund. „Alle Mann nach vorn“, hieß es dann manchmal, damit die Schiffsschraube frei kam, und mit Staken und Bootshaken schaffte man den Weg zurück ins Fahrwasser.


Schon im ersten Jahr hatte sich gezeigt, dass die Personenschifffahrt auf der Weser wieder großen Zuspruch fand. Hermann Küster suchte bald ein größeres, komfortableres Schiff und fand am Steinhuder Meer das Motorschiff „Graf Wilhelm“, das ziemlich verrostet auf dem Trockenen lag. Mit einem Spezialtransporter wurde es 1948 zur Weserwerft in Minden gebracht. „Mit Benzinmotoren durfte man damals keine Personenschifffahrt auf der Weser betreiben“, erinnert sich Reinhard Küster, der Bruder Hermanns, „deshalb musste neben der gründlichen Überholung der vorhandene Motor gegen einen Dieselmotor getauscht werden“. Neben den planmäßigen Fahrten zwischen Porta und Minden waren die regelmäßigen Ausflugsfahrten auf dem Mittellandkanal zu dem damals sehr bekannten „Bad Hiddenserborn“ besonders beliebt. Wie Reinhard Küster weiter berichtet, musste die Graf Wilhelm auch mehrfach Personen über die Weser befördern, wenn die Fähre einmal nicht betriebsbereit war oder den großen Andrang nicht schaffen konnte, weil in Hausberge die Motorradfahrer beim Grasbahnrennen um das „Grüne Band der Porta“ kämpften.


In Bardenfleth an der Unterweser lag das Personenschiff „Glück auf“, das vor dem Krieg im Ruhrgebiet fuhr. Hermann Küster holte es 1960 nach Porta, taufte es auf den Namen „Roland“ und setzte es für die planmäßigen Fahrten nach Minden ein.

 


Mittlerweile hatten sich auch andere an der Personenschifffahrt beteiligt. Werner Meier fuhr die „Weserland“, ein ehemaliges Schiff des

Wasserstraßenamtes.

 

 

 

 

Eine etwas urige

offene Barkasse mit

Namen „Dick“ steuerte Werner Hollensteiner.

 

 

 

 

Als dann Hermann Küster zusammen mit Ernst Edler, der auch schon früher Schiffsführer auf der Roland gewesen war, ein schönes großes Schiff von Hamburg über Elbe und Kanal nach Porta überführt hatte, tauften sie es auf den für die Personenschifffahrt auf der Weser traditionellen Namen „Porta Westfalica“, den Namen, den vor dem Krieg das wohl bekannteste Fahrgastschiff dieser Region trug und Theo Burgdorf gehörte. Kapitän Ernst Edler fuhr in den Wintermonaten ein Walfangschiff im Südatlantik und steuerte in der Sommerzeit die neue „Porta Westfalica“.

                                Die "Porta Westfalica" von Theo Burgdorf                                                                                  Die neue "Porta Westfalica"
 

Weitere Personenschiffe folgten, wie die Castor von Heinz-Otto Fassbender, die bereits von Max Torges gesteuert wurde. Dann verkehrten auch Hecht, Stör, Stint usw. von der „Oberweserdampfschiffahrt“ auf diesem Teil der Weser, und schließlich folgte die bekannte Flotte von Max Torges und Nachfolger Wilfried Meyer mit Castor, Helena, Pollux, Poseidon usw.

 

Die „Weiße Flotte“ hat weiterhin für Porta und Minden, insbesondere für den Fremdenverkehr, große Bedeutung. Heute ist es die „Mindener Fahrgastschiffahrt“ unter Heinz Schiebe, die mit den Schiffen Poseidon, Helena, Europa und dem nostalgischen Schaufelraddampfer "Wappen von Minden" Personenschifffahrt auf Weser und Kanal betreibt und viele Freunde gefunden hat.

Zur lückenlosen Dokumentation der Fahrgastschifffahrt auf Weser und Kanal werden noch weitere Informationen und – leihweise – Fotos gesammelt. Bitte melden unter 0571-52391 (Kauffeld).


 


 

© Mindener Tageblatt 2007

 

 

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