Barkhausen und die St. Martini Landgemeinde

Um das Jahr 1530 wurde auch den Barkhausern die lutherische Lehre verordnet. Die Dorfbewohner werden dafür aufnahmebereit gewesen sein, denn der Kampf um die Bekenntnisse war auch für sie zugleich ein sozialer Kampf, bei dem sie ihre Interessen durch die Reformatoren vertreten sahen. Die Margarethenklus aber blieb katholisch. Schon deshalb brauchte der Ort eine neue seelsorgerische Anbindung. Das war zunächst nur in Minden möglich. So wurde Barkhausen Teil der evangelischen Landgemeinde von St. Martini.
Früher oder später musste aber der Wunsch nach einer Kapelle in der Ortsmitte und in Friedhofsnähe entstehen, wo man den Gottesdienst unabhängig von Witterung und Jahreszeit besuchen konnte, wo auch Alte und Gebrechliche nicht ausgeschlossen blieben, wo auch Taufen und Bestattungen bequemer durchführbar waren und wo man - vor allem - seines Lebens halbwegs sicher sein konnte. Denn in Minden oder auf dem Wege dahin war es zur Zeit der Reformation und in den Jahrzehnten, die ihr folgten, nicht ungefährlich. Um 1520 tobte um Minden herum die „Hildesheimer Stiftsfehde“. Auf sie folgte die Pest. 1529 grassierte eine andere tödliche Seuche, „welche man Englisch Schweiß genannt“. 1553 herrschten zur gleichen Zeit Pest in der Stadt, mit täglich etwa 36, insgesamt 3.500 Toten, und Krieg mit Braunschweig, in dem es auch zur Belagerung und zur Einnahme der Simeonsvorstadt kam. Die Landstraßen wurden von adeligen wie nichtadeligen Raubrittern heimgesucht. 1534 gerieten die Bauern in eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem Wedigensteiner Pfandherrn Schlepegrell und der Stadt Minden. Und Johann von Münchhausen, Besitzer von Schloß Haddenhausen, welcher sich der aus dem Dom, aus St. Simeonis, St. Martini, St. Johannis und St. Mauritz vertriebenen katholischen Geistlichen angenommen hatte, führte jahrzehntelang bewaffnete Fehde gegen Minden. 1530 wollte er die Stadt gar erobern, mit 700 Mann Fußvolk und 100 Reitern. Da sich Minden gewarnt zeigte, zog er sich zurück - nach Barkhausen. Schließlich brannten Mindener Bürger Münchhausens Schloss nieder. –
Soviel Unsicherheit war den Barkhausern und Aulhausern auf die Dauer nicht zuzumuten. Um 1540 bekamen sie ihre eigene Kapelle, blieben aber in der Martini-Landgemeinde. Von der lösten sie sich erst 350 Jahre später. Da bauten sie sich auch ein eigenes großes Gotteshaus.
- Ortschronik-

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