Der Kaiserhof ist am 07.12.2011 abgebrannt und soll wieder aufgebaut werden

Robert Kauffeld, Bericht im Mindener Tageblatt:

Der Kaiserhof

Ein traditionsreiches Hotel mit wechselhafter Geschichte

Porta Westfalica - Barkhausen (rkm). „Der Name des Kaisers ziert dieses Haus am Fuße des Berges, auf welchem das Denkmal des verewigten großen Kaisers Wilhelm ragen wird“.

Das sind die Worte auf der Urkunde im Grundstein des Kaiserhofes, dessen Bau noch rechtzeitig zur Einweihung des Denkmals vor hundert Jahren fertig gestellt werden sollte, „um zu Füßen des Denkmals dem Verkehr der Völker zu dienen, welcher durch diese Bergespforte in alle Zeiten dem Andenken des ruhmreichen Kaisers folgen wird.“  Große Worte der Aktien Gesellschaft Porta Westfalica, die ihre Arbeit diesem Ziel widmete.

Ein prachtvoller Bau entstand, der schon während der Bauphase des Denkmals als „größtes Haus am Platze“ die vielen interessierten Besucher aufnehmen konnte. Seitdem hat dieses Hotel, das bald weithin bekannt wurde, eine sehr wechselhafte Geschichte erlebt. Oberkellner Wilhelm Nolting war der erste Pächter. Völlerei oder verbotenes Spiel, Hehlerei oder gar Unsittlichkeit waren in seiner Gastwirtschaft nicht zu befürchten, so hatte man sich vorher von seinem Leumund überzeugt.

Man konnte dem großen Tag der Einweihung des Denkmals entgegenfiebern. Als schließlich das Kaiserpaar mit Salutschüssen begrüßt worden war, als markige Worte von Treue, Heldentum und anderen großen Tugenden gesprochen und „Heil dir im Siegerkranz verklungen“ war, da sollte im großen Saal des Kaiserhofes für 340 Gäste das Ehrenfestmahl beginnen, doch, wie hinlänglich bekannt ist, war das Kaiserpaar längst abgereist. Aber zumindest die Büste des Kaisers war anwesend, und so werden Königinsuppe, Kalbsrücken mit Pilzen, Steinbutt, Feldhühner und auch „Schmalthier mit Salat“ wohl gemundet haben, zumal erlesene Getränke nicht fehlten.

Im September 1898 konnte man „Ihre  Majestäten" schließlich auch im Kaiserhof begrüßen, wo sie zu speisen geruhten. Es war Kaiser-Manöver. Echte Schildkrötensuppe und Helgoländer Hummer standen zwar im Kaiserhof, aber wohl nicht bei den Gulaschkanonen der Soldaten auf dem Speiseplan.

Vor großer Bedeutung war für die Barkhauser Bürger der Bau der Evangelischen Kirche an der heutigen Pfarrstraße. Zur Kirchweihe am 10.11.1899 fand ein großes Festessen im Kaiserhof statt. Über gute Bewirtung zur Preise von 1,75 Mark wird berichtet. So entwickelte sich der Kaiserhof in den Folgejahren zu einem Zentrum des gesellschaftlichen Lebens nicht nur in Porta, sondern auch für Minden und weit darüber hinaus. Ein großer Terrassengarten mit einem überdachten Bereich, ein großer Saal mit 2000 Sitzplätzen und weitere Gesellschaftsräume boten hervorragende Voraussetzungen für alle Gelegenheiten. Militärkapellen spielten zur Unterhaltung und zum Tanz, und große Besucherströme hatten die Porta Westfalica zum Ziel. Mit dem Beginn des ersten Weltkrieges musste auch der Kaiserhof Einschränkungen hinnehmen, auch weil neue Rekruten im Saal untergebracht wurden.

Als Not und Armut der Nachkriegszeit überwunden, als Gesang- und Sportvereine wieder aktiv geworden waren, erlebte der Kaiserhof wieder einen Aufschwung. Carl Knoblich, der 1924 nach anderen Inhabern das Haus übernommen hatte, sorgte für Veranstaltungen, von denen alte Barkhauser heute noch schwärmen. Karnevalssitzungen der Kamipo fanden in einem bis auf den letzten Platz besetzten festlich dekorierten Saal satt. Es war die große Zeit der Gesangvereine, die „im edlen Wettstreit“ um Ehren kämpfte oder bei Volksmusikabenden zum Mitsingen einluden. Große Künstler wurden eingeladen. Barnabas von Geczy mit seinem Salonorchester spielte ebenso wie Johann Strauß III, „der letzte der Dynastie, der Enkel des Walzermeisters“. Bald waren es wieder die Militärkapellen, die um die Gunst des Publikums wetteiferten, so insbesondere die Musikkorps der Mindener Pioniere und der Artillerie. Elli Vonalt, die 1968 zusammen mit ihrem Bruder Ernst Behnke das Hotel von ihrer Mutter Elisabeth Behnke übernahm, erinnert sich noch an eine ganz besondere Veranstaltung, weil sie als Kind, um nicht seelisch verroht zu werden, den Saal nicht betreten durfte Dort fand nämlich ein großer Meisterschaftsboxkampf statt.

Der Kaiserhof blieb im 2. Weltkrieg geöffnet. Doch 1944 begann eine schlimme Zeit, als der Saal zur Unterbringung von Zwangsarbeitern beschlagnahmt wurde, die unter unmenschlichen Bedingungen die Rüstungsbetriebe in Weser- und Wiehengebirge errichten mussten. Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurde der Kaiserhof bis 1950 von den Besatzungstruppen beschlagnahmt. Der große Saal, in dem einige Jahre lang Hallenhandball gespielt wurde, ist inzwischen zur Reithalle geworden, und im Garten finden auch nicht mehr die früher so beliebten Musikveranstaltungen statt. Doch das Hotel hat weiterhin einen guten Namen. Heike Steinbock, die Tochter von Elli Vonalt, hat vor vier Jahren die Geschäftsführung übernommen. Sie berichtet, dass es schwer sei, ein so großes Haus zu unterhalten, zumal das Gebäude Denkmalsschutzbestimmungen unterliege und Reparaturen und Veränderungen immer sehr hohe Kosten verursachen. Vieles habe sich geändert, so berichtet sie, auch bei den Gästen. Besucher der inzwischen sehr bekannt gewordenen Rad- und Wanderwege würden immer mehr den Kaiserhof zum Start- oder Zielpunkt ihrer Exkursionen wählen. „Und so lange sich die Gäste in unserem Hause wohlfühlen“, sagt Heike Steinbock, „macht mir die Arbeit auch noch Spaß“.

Quellen: Franzmeyer „Die Porta links der Weser“ (Barkhauser Chronik) und Kauffeld, Franzmeyer, Rösler: „Als unser Omma noch klein war“ (Bildband über Porta-Barkhausen).

© Mindener Tageblatt 2006

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