Gebietsreform 1973

Im September 1972 verabschiedete der Nordrhein-Westfälische Landtag das „Bielefeld-Gesetz“ zur Neugliederung der Kreise und Gemeinden in unserem Raum. Vorausgegangen war seit 1966, nach Maßgabe der verschiedenen formalen Verfahrensschritte, eine heftige Diskussion. Auf der Ebene der Städte und Gemeinden - nur sie interessiert hier - hatte die Regierungsvorlage von 1971 die Zuordnung Barkhausens zu Minden vorgesehen. Dies entsprach der Interessenlage Mindens. Doch selbst die Androhung einer Verfassungsbeschwerde konnte nicht verhindern, dass sich die deckungsgleichen Interessen der politischen Führung von Hausberge und Barkhausen durchsetzten. So wurde Barkhausen, allerdings ohne den Ortsteil Zollern, der neu zu bildenden Stadt Porta Westfalica zugeschlagen. Dafür sprachen mehrere Gründe. Einmal sollte die Einbindung des relativ wohlhabenden Barkhausen in die neue Stadt verhindern, dass die Region in reiche Städte und „Armenhäuser“ zerfiel. Den Ausschlag gaben aber Überlegungen zum Fremdenverkehr. Hauptprotagonist war der Hausberger Bürgermeister Dr. Hermann Frohwitter (FDP) mit seinem mächtigen Ortsverband . Aber auch sein Barkhauser Parteifreund und Bürgermeister Dießelhorst wollte, dass Kaiser Wilhelm ein Portaner blieb. Dabei hatte Dießelhorst keineswegs die Barkhauser Mehrheit hinter sich. Vielmehr befürworteten nach einer - allerdings privaten - statistischen Erhebung nicht weniger als vier Fünftel von ihnen die Zuordnung zu Minden. Ein Argument auf Seiten der politischen Führung Barkhausens war, dass „der Selbstverwaltungsgrundsatz in kleinen Flächengemeinden besser verwirklicht“ wird.

Das Aufeinanderprallen der Interessen wirkte bis in den Landtag hinein und spiegelt sich in der Dramatik, mit der das Gesetz in der entscheidenden Lesung durchgebracht wurde. Die Zuordnung Barkhausens wurde erst in der vierten Abstimmungsrunde entschieden, und zwar durch „Hammelsprung“, bei dem jeder Abgeordnete für jedermann sichtbar ein „Ja“-, ein „Nein“- oder ein „Enthaltungs“-Tor zu durchschreiten hat. Das Ergebnis war äußerst knapp: 100 zu 96 für Porta Westfalica. Dabei kam es zu einem ungewöhnlichen Schulterschluss. Die FDP als Düsseldorfer Koalitionspartnerin der SPD stimmte mit der CDU gegen die den Mindener Wünschen willfährige SPD. Dafür „rächten“ sich dann einige SPD-Abgeordnete, indem sie in Sachen Kreisreform mit der CDU gegen die FDP für einen Großkreis Minden-Ravensberg votierten (der aber bekanntlich nicht zustande gekommen ist).
- Ortschronik -

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